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Die Referenten des Zukunftsprozesses (v.l.): Pastoralverantwortlicher Detlef Hecking, Synodalratspräsident Urs Umbricht, Pastoralverantwortliche Monika Poltera-von Arb, Edith Rey Kühntopf, Regionalverantwortliche Bischofsvikariat St. Verena, Bischofsvikar Georges Schwickerath, Bischof Felix Gmür, Corinne Studer, Fusionskoordinatorin und Leiterin Bürgerrecht beim kantonalen Amt für Gemeinden (AGEM), und Thomas Steiner, Leiter Gemeindefinanzen und stv. Chef AGEM. Foto: Emiliana Salvisberg
Römisch-katholische Kirche plant grundlegenden Umbau im Kanton Solothurn
Die römisch-katholische Kirche im Kanton Solothurn steht vor einem grundlegenden Strukturwandel. Unter dem Leitmotiv «Es geht nicht weiter wie bisher» läuft seit zwei Jahren ein Reformprozess, der eine Vereinfachung der Organisation vorsieht. Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchgemeinden, Pastoralräumen, der Synode und dem Bistum entwickeln gemeinsam die künftige Ausrichtung. Der Kanton Solothurn begleitet den Prozess in beratender Funktion.
Im Zentrum steht die Vision von vier Kirchgemeinden und vier Pastoralräumen/Pfarreien. Diese sollen die kirchliche Organisation vereinfachen, effizienter gestalten und stärker an veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen. Die Idee knüpft dabei an frühere kirchliche Strukturen an – etwa die Dekanate Buchsgau, Solothurn, Dorneck-Thierstein und Olten-Niederamt –, die als historische Referenz für grössere Einheiten dienen könnten.
Ziel ist es, die kirchliche Präsenz im Kanton langfristig zu sichern und näher an die heutigen Lebensrealitäten heranzuführen. In Olten diskutierten rund 90 Personen aus den verschiedenen Gremien die nächsten Schritte. Vorgesehen ist die Einsetzung einer Projektleitung, die den Prozess künftig steuern soll. In der Ausgestaltung bleibt der Prozess offen und umfasst mögliche Fusionen, Zweckverbände oder neue Organisationsformen. Zudem sind Regionalforen geplant, um den Austausch vor Ort zu vertiefen.
Mitgliederschwund und struktureller Druck
Der Reformdruck ist hoch. In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der katholischen Kirchenmitglieder im Kanton um rund 30 Prozent gesunken. Der Rückgang sei vor allem demografisch bedingt, bei Mitgliedern und Finanzen sei ein weiterer Einbruch absehbar, sagte Urs Umbricht, Präsident der Römisch-Katholischen Synode des Kantons Solothurn.
Gleichzeitig verschärfen sich die personellen Engpässe in den Kirchgemeinden. Vermehrt können kirchliche Ämter nur noch schwer besetzt werden. Teilweise sind dafür externe Übergangslösungen notwendig. In der Kirchgemeinde Büsserach wird seit 2026 eine Sachverwaltung durch den Kanton eingesetzt, nachdem kein Kirchgemeinderat mehr gebildet werden konnte. Bei der Besetzung der Arbeitsstellen zeichnen sich zunehmend Personalengpässe ab.
Auch die Infrastruktur stellt viele Kirchgemeinden vor Herausforderungen. Der Immobilienbestand sei vielerorts überdimensioniert und verursache hohe Kosten, so Umbricht. Künftig brauche es Entscheide über Nutzung, Kooperation oder Reduktion.
Politischer Druck nimmt zu
Zusätzlich geraten die Finanzen unter Druck. Der Kanton Solothurn will sich aus der Finanzierung der Spitalseelsorge zurückziehen. Auch die Finanzierung der Domherrenstellen wird überprüft. Parallel dazu entscheidet der Kantonsrat im Juni über die Ausgestaltung des künftigen Finanzausgleichs.
Gesellschaftlicher Wandel verändert Rahmenbedingungen
Thomas Steiner, Leiter Gemeindefinanzen und stellvertretender Chef des kantonalen Amts für Gemeinden (AGEM), verweist auf den gesellschaftlichen Wandel: Zwar ist rund ein Viertel der Bevölkerung im Kanton katholisch, insgesamt gehören jedoch nur noch 40 Prozent einer anerkannten Religionsgemeinschaft an.
Die 72 Kirchgemeinden seien historisch gewachsen, entsprächen jedoch immer weniger den heutigen Gegebenheiten. Parallel dazu gebe es 16 Pastoralräume als übergeordnete Strukturen. Fusionen, Zweckverbände oder neue Organisationsformen könnten Effizienzgewinne bringen, würden jedoch auch das Risiko eines Identitätsverlusts bergen. «Entscheidend sei deshalb, dass Zusammenschlüsse von unten entstehen und demokratisch legitimiert sind», betonte Steiner.
Das Amt für Gemeinden unterstützt solche Strukturveränderungen mit entsprechenden Massnahmen. Corinne Studer, Fusionskoordinatorin und Leiterin Bürgerrecht beim AGEM, betonte die Chancen von Zusammenschlüssen: «Sie schaffen mehr Professionalität in der Verwaltung von Personal, Liegenschaften und Finanzen.» Gleichzeitig wies sie auf die damit verbundenen Spannungsfelder hin. Der Prozess brauche Zeit, verlange aber bereits jetzt pragmatisches Handeln.
Bischof unterstützt Reformkurs
Die Vision «4 Kirchgemeinden – 4 Pastoralräume/Pfarreien» wird auch vom Bischof von Basel, Felix Gmür, unterstützt. Angesichts des zunehmenden Veränderungsdrucks gelte es, Chancen, Nutzen und auch Ängste offen zu benennen und zu diskutieren. Wegschauen sei keine Option mehr. Der Handlungsspielraum sei noch vorhanden, werde jedoch rasch kleiner. «Ziel ist es, die Zukunft der Kirche aktiv mitzugestalten, statt von Entwicklungen überrollt zu werden», so Gmür. Kirche müsse nah bei den Menschen bleiben und sich konsequent an heutigen Lebensrealitäten orientieren – insbesondere an der mobilen und vernetzten Lebensweise der Jugendlichen, für die die Bindung an eine einzelne Gemeinde zunehmend an Bedeutung verliert. Daraus folge die Notwendigkeit eines grossräumigeren Umdenkens in der kirchlichen Organisation.
Medienmitteilung
2026_05_04_Medienmitteilung_Zukunftsprozess_Römisch-katholische Kirche.pdf (338,3 KiB)

